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Hans Gerlach, 18.4.2020,
mit Video!
Zubereitungszeit 65min, Back/Gesamtzeit 105min
Hauchdünn,
knusprig, köstlich: Diese strudelähnliche Focaccia-Variante
aus zartem Knusperteig mit Käse-Spinat-Füllung gelingt ganz ohne Hefe.
Aus Recco, einer italienischen Kleinstadt nicht weit von Genua,
stammt ein ziemlich tolles Gebäck. Die Recchesi
nennen es »Focaccia di Recco«,
dabei hat es nichts mit dem zu tun, was ich mir unter einer Focaccia
vorgestellt hatte – nämlich ein flaches, fluffiges
Brot aus einer Art weicherem Pizzateig. Ganz im Gegenteil: Für die Focaccia di Recco braucht es
einen hauchdünnen Teig, er wird sehr knusprig und ähnelt dem Strudelteig. Und
wie dieser kommt der Focaccia-di-Recco-Teig
völlig ohne Hefe aus.
Zwischen
zwei Schichten Teig verteilen die Focaccia-Bäcker teelöffelweise
einen lokalen Crescenza-Käse aus Recco.
Creszenca- oder Stracchinokäse
sind eine Gruppe von Frischkäsesorten mit Aroma, die schön schmelzen (auch auf
der Pizza übrigens). Mit einer großzügigen Menge Olivenöl wird dieses
Käse-Knusper-Wunder in einem sehr heißen Ofen goldbraun gebacken und dann
knallheiß geschnitten, beim Essen tropft cremiger Käse heraus. Nun legen die
Einwohner von Recco sehr großen Wert darauf, dass es
eine Focaccia di Recco eben
nur in Recco geben darf. Der spezielle Käse wird
deshalb sowieso nur an Restaurants in Recco verkauft.
Mit Abstand
betrachtet gibt es allerdings weltweit ähnliche Gerichte, in Griechenland zum
Beispiel unzählige Varianten von Tyropita mit
Fetakäse und Filoteig, in Mexiko die Quesadilla, also mit Käse gefüllte Weizentortillas und
schon bei den italienischen Nachbarn in der Emilia Romagna finden wir die Piadina romagnola con formaggio – es spricht also
nichts dagegen, eine eigene Variante zu entwickeln. Ich mag zum Beispiel auch
etwas Gemüse in meiner Focaccia und eine Mischung aus
Ricotta und Parmesan gibt genau die richtige cremig-aromatische Käsemischung.
Mit Gemüse und den Käsesorten kann man je nach Vorrat sehr gut variieren. Doch
wirklich wichtig finde ich den wunderbaren Teig, nach dem Rezept aus Recco.
Focaccia di Monaco für ein Backblech:
Teig:
·
400 g Weizenmehl
·
8 g Salz
(1,5 TL)
·
200 ml lauwarmes
Wasser
·
40 g Olivenöl
und Öl zum Beträufeln
Füllung:
·
250 g TK-Blattspinat
oder frischer Spinat kurz gekocht
·
1/2 Fenchelknolle
·
Salz,
Pfeffer, Muskat
·
Etwa 300 g
Käse, der gebacken gut schmeckt, zum Beispiel 220 g Ricotta und 80 g Parmesan/Pecorino, oder geriebener Raclettekäse
oder Pizzakäse oder Stracchinokäse ...
1.
Für
den Teig erst Mehl und Salz, dann Öl und Wasser in einer Schüssel mischen. Erst
in der Schüssel, dann auf der Arbeitsfläche mindestens 5 Minuten kräftig
durchkneten, der Teig sollte jetzt schön glatt und elastisch sein. Den fertigen
Teig zu einer Kugel formen, mit gleichmäßigen, kreisenden Bewegungen der
ineinander verschränkten Hände die Teigkugel »schleifen«, bis die Oberfläche
samtig glatt ist – das dauert ein paart Minuten. Zudecken und 30 Min.
entspannen lassen.
2.
Füllung
vorbereiten: Spinat auftauen lassen und fest ausdrücken. Fenchel sehr dünn
schneiden, mit Salz, Pfeffer und ein paar Tropfen Olivenöl würzen. Käse reiben
und mit dem Ricotta verrühren, mit Salz, Pfeffer und Muskat abschmecken.
3.
Arbeitsfläche
mit Mehl bestäuben, ein Backblech gründlich ölen, das darf eine kleine Ölpfütze geben. Den Backofen auf 280 Grad vorheizen – oder
so heiß es eben geht. Den Teig ungefähr halbieren, das größere Stück erst
ausrollen, dann nach allen Seiten dünn ausziehen. Dazu mit dem bemehlten
Handrücken unter den Teig greifen, mit dem zweiten Handrücken ebenfalls unter
den Teig greifen und vorsichtig Richtung Tischkante ziehen. Von allen Seiten
wiederholen, bis der Teig sehr dünn ist – vor allem versuchen den Rand immer
dünner zu ziehen und zu drücken, damit der Teig auch an den Rändern möglichst
gleichmäßig dünn wird.
4.
Dann über
das Backblech legen, dicke Teigränder abschneiden. Die Füllung löffelweise auf
dem Teig verteilen – nicht verstreichen, sonst reißt der Teig. Die zweite
Teighälfte ausziehen und über das Blech legen, die Ränder abschneiden. Mit den
Fingern oder einer Schere ein paar Löcher in den Teig machen, damit der Dampf
beim Backen abziehen kann. Mit Olivenöl beträufeln, wer will kann ein paar
Rosmarinnadeln zupfen und ebenfalls auf dem Teig verteilen.
5.
Im Ofen auf
der untersten Schiene etwa 10 Min. goldbraun und knusprig backen. In Stücke
schneiden und sofort servieren.
Tipp:
Manche Mehle
nehmen mehr Wasser auf, andere weniger. Meistens passt das Rezept sehr gut,
aber falls der Teig sich sehr fest anfühlen sollte, noch 1-2 EL Wasser
unterkneten – das ist lästig, denn man muss den Teig zurück in die Schüssel
geben und es dauert eine Weile, bis er das Wasser aufnimmt.